Maren Martschenko ist sozusagen „schuld“, dass ich bei den Digital Media Women gelandet bin. Wir haben uns virtuell in der Gruppe Social Media Women kennengelernt und dann hat sie mich zu einem der ersten #DMW Events in München eingeladen. Seit dem gehen wir bei den #DMW einen gemeinsamen Weg. Ich schätze sie sehr. Besonders was sie jetzt mit ihrem Magnetprodukt Club aufzieht, ist echt bemerkenswert.

Tipps an mein gründendes Ich: Maren Martschenko

Maren Martschenko: Mein Rat an mein gründendes Ich

Eigentlich bin ich mehr der Typ, der nach vorne schaut. Die wunderbare Blogparade von Beate Mader nehme ich gerne zum Anlass, zurückzuschauen auf das Krisenjahr 2008, in dem ich beschlossen hatte, mich selbstständig zu machen. Es war gerade Finanzkrise. Viele erklärten mich für verrückt, in solch unsicheren Zeiten den Weg in die Selbständigkeit zu wagen. Interessanterweise kam es mir damals vor, wie ein Schritt in die Sicherheit. Ich wollte nicht von strategischen Entscheidungen meines Arbeitgebers abhängig sein, während die Wogen hoch um uns schlugen und die Zukunft ungewiss war. Mein Arbeitsplatz kam mir wie ein Schleudersitz vor, bei dem aber nicht ich den Auslöseknopf drücke. Ich wollte selbst entscheiden und lieber in mich investieren als Zeit in ein anderes Unternehmen.

Rückblickend war das völlig richtig gedacht und ich habe auch vieles richtig gemacht. Dennoch würde ich mit dem Wissen von heute eine Sache ganz anders machen.

Maren Martschenko. Foto Christoph Vohler.
Foto: Christoph Vohler

Raus aus dem stillen Kämmerlein

Im Sommer 2008 hatte ich beim Radfahren die Idee, dass Marketing für Selbständige und kleine Unternehmen sein sollte wie ein Espresso: Klein, stark, aufs Wesentliche reduziert. Die Idee und meine erste Marke, die „Espressostrategie“, waren geboren. Bis ich tatsächlich damit rausgehen sollte, vergingen sechs Monate. Ok, fünf Wochen davon machte ich ein Sabbatical und reiste mit meiner Familie durch die Ukraine. Den Rest der Zeit verbrachte ich aber im stillen Kämmerlein, schrieb einen Businessplan, recherchierte Mitbewerber*innen. Kurz und gut, ich sprach mit niemandem über meine Idee – außer mit der Grafikdesignerin, die mein Corporate Design entwickelte. Auch aus Angst, dass sie mir jemand wegnehmen könnte.

Ich traute mich erst mit dem ganzen Ding nach draußen zu gehen als „alles fertig war“. So dachte ich damals: Erst wenn ich ein Logo und eine Webseite hätte, einen Namen und ein bis ins letzte Detail durchdachte Konzept, könnte ich mit dem Marketing beginnen. Tatsächlich kam ich nach der ersten Netzwerkveranstaltungen, auf der ich nur kurz von meiner Idee erzählt hatte, mit dem ersten kleinen Beratungsauftrag nach Hause. Das war ein tolles Gefühl. Hätte ich aber auch schon ein halbes Jahr früher haben können ;-)

Mit Feedback geht es schneller vorwärts

Tatsächlich entwickelte und verbesserte sich der Beratungsprozess im Laufe der nächsten 12 Monate kontinuierlich. Mit dem Wissen und der Erfahrung von 12 Monaten Beratungsmandaten entstand die Idee des Vier-Ebenen-Modells meiner Espressostrategie. Es ist völlig simpel und gleichzeitig repräsentiert es den ganzheitlichen Ansatz, wie eine Marke entsteht und wie man sie führt. 

Ich zeigte das Modell bei nächster Gelegenheit einem Kunden. Er war sehr begeistert. Gab mir an der einen oder anderen Stelle Feedback, wo noch Unklarheiten waren. In der Woche darauf baute ich diese vier Ebenen in einem Vortrag bei der WWK-Versicherung ein, bei der es um die Bedeutung von Zertifizierungen für die Unternehmensmarke ging. Anhand des Modells konnte ich es perfekt erklären. Ich weiß noch, wie mir damals der Arsch auf Grundeis ging, weil ich das erste Mal vor großem Publikum sprach. Tatsächlich haben alle das als ganz selbstverständlich hingenommen und das Modell gleich in ihre Überlegungen und Fragen einbezogen. Es funktionierte! Alleine am Schreibtisch hätte ich das nie herausgefunden und auch nie so schnell den Proof of Concept gehabt.

Maren Martschenko bei GO Business 2014. Foto Beate Mader
Foto: Beate Mader

Ab dem Zeitpunkt änderte sich meine Vorgehensweise. Und das ist auch der Rat, den ich meinem gründenden Ich heute mitgeben würde:

Gehe raus, auch wenn die Lösung noch nicht da ist

Ob eine Idee was taugt oder nicht, findest du nicht alleine heraus. Du musst sie testen. Sammle dafür möglichst schnell relevantes Feedback ein und entwickle die Idee damit weiter. Hab keine Sorge, dass sie jemand kopiert. Solange du nicht stehen bleibst, sondern immer wieder neu auf dein Thema, dein Angebot schaust und das integrierst, was du richtig gut kannst und machst, hast du einen Wettbewerbsvorteil mit eingebautem Kopierschutz.

Maren Martschenko. Foto Dorothee Elfring
Foto: Dorothee Elfring

Diejenigen fragen, für die man etwas entwickelt

Richtig gute Produkte kann man ohnehin nicht alleine entwickeln. Das geht am besten mit den Menschen, für die du dein Produkt entwickelst. Wenn ich heute eine Produktidee habe, gehe ich direkt auf Menschen zu, von denen ich denke, dass sie mein Angebot interessieren könnte. Ich frage sie nach ihren Herausforderungen im Alltag, was sie nervt und nach was sie sich sehnen. Darauf schneide ich mein Angebot zu. So ist zum Beispiel mein Magnetprodukt-Club entstanden. So entwickle ich ihn kontinuierlich weiter: Immer mit Blick darauf, was den Mitgliedern das Leben leichter, die Nutzungserfahrung geschmeidiger macht. Die Feature-Liste kommt von ihnen. Ich muss mir nur noch Gedanken machen, wie ich die Wünsche umsetze.

Maren Martschenko. Foto Raimund Verspohl
Foto: Raimund Verspohl

Besser werden, bis es sich richtig anfühlt

Eric Ries, der Autor von „Lean Start-up“ sagte einmal: „Don’t be in a rush to get big. Be in a rush to have a great product.“

Mein Ziel heute ist nicht, möglichst schnell viele Kundinnen zu gewinnen. Mir ist wichtig, mit meinem Angebot Kundinnen zu begeistern. Wenn sie begeistert sind, weil ich ein richtig gutes Angebot am Start habe, wird die Akquise um so vieles einfacher und schneller.

Ich kann meine Vorgehensweise rückwirkend natürlich nicht mehr ändern, aber du kannst es mit deiner Idee, die vielleicht gerade in deinem Kopf herumschwirrt. Lass den Perfektionisten und die innere Kritikerin im stillen Kämmerlein zurück. Gehe raus und erzähle mindestens einem Menschen, für den du das Produkt entwickelst, davon. Stelle Fragen, höre gut zu. Das ist gut investierte Zeit. Geht auch via Zoom :-)

Maren Martschenko. Foto Lara Freiburger
Foto: Lara Freiburger

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Gestartet habe ich mit den Tipps an mein gründendes Ich im Dezember 2020 mit meinen eigenen Tipps.

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Anschubserin & Gründungscoach

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