Claudia Wittmann: Tipps an mein gründendes Ich

Claudia gehört zu meinen sehr frischen Kontakten. So genau kann ich gar nicht sagen, wo und wie wir uns begegnet sind. Begegnet geht ja aktuell nur virtuell. Ich mag den Newsletter von Caudia. Ihre Buchtipps haben schon meine Bibliothek bereichert und außerdem lese ich gerne mal wieder englisch. Ihre Tipps an ihr gründendes Ich sind mit ihrem 10-jährigen Jubiläum zusammengefallen, somit sind es 10 Tipps – 10 Jahre.

Claudia Wittmann: Tipps an mein gründendes Ich

Editorial

Ich bin Kommunikationsgenialistin Beate Mader von VISION HOCH DREI unglaublich dankbar, dass sie mir diese unerwartete Möglichkeit eröffnet hat, meine Erfahrungen in ihrem inspirierenden Blog Tipps an mein gründendes ICH zu teilen. Mit meinen auf die harte Tour gelernten Lektionen möchte ich innovative Selbstständige und kreative Freiberufler ermutigen: Es gibt immer einen Weg und wenn man ihn selbst erfinden muss.

Foto: Sabine Muench, 2003

Intro

Am 19. Oktober diesen Jahres werden es 10 Jahre, seitdem ich eine erfolgs- und umzugsreiche Karriere im Verlagswesen hinter mir ließ und meine eigene internationale Lizenzagentur The Wittmann Agency gründete.

Über Nacht wurde ich erfolgreich, reich und berühmt.

Natürlich nicht.

Dafür gab es das volle Programm von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt.

Aber auch ein paar Dinge, die sich nicht geändert haben:

  • am liebsten arbeite ich solo und in vertrauter Umgebung,
  • ich mache mich für die Arbeit ausgehfein und
  • meine besten Ideen habe ich sehr spät abends oder nachts.

10 Jahre. 10 Lektionen. (+ ein paar lustige Fotos)

Foto: Sabine Muench, 2011

#1 Be smart about where you spend your time, resources and money. | Nutze deine Zeit, deine Ressourcen und dein Geld sinnvoll.

Als ich in meine Selbstständigkeit startete, hatte ich außer einer großen Idee, jeder Menge Berufserfahrung im In- und Ausland und meinem Ersparten so gut wie nichts.

Ich leistete mir einen aufpolierten Computer mit aktueller Software, ein Handy auf Ratenzahlung, eine von einer Web-Agentur erstellte bi-linguale Internetseite (Redigieren der deutschen Website durch Susanne Noll und Übersetzung ins Englische von Rapid Communication) mit dazu passendem Logo (von Behrend & Buchholz), Briefpapier, Visitenkarten, Flyern und Werbegeschenken sowie ein professionelles Vor-Ort-Fotoshooting mit der Fotografin Sabine Münch, Berlin.

Die führende Medienkanzlei Lausen Rechtsanwälte, München gestaltete meinen Agenturvertrag, meine Geschäftsbedingungen und meine Lizenzverträge für das internationale Lizenzgeschäft in Deutsch und in Englisch und prüfte meine Website.

Da ich mit meiner in Deutschland so noch nie dagewesenen internationalen Idee zwischen allen Stühlen saß, hatte ich trotz eines detaillierten Businessplanes null Chance bei der Künstlersozialkasse oder auf mögliche Fördertöpfe.

Dafür hieß es, vom ersten Tag an den vollen Krankenkassenbeitrag für meine Ein-Personen-Unternehmung zu bezahlen: einmal für mich als Arbeitgeber und einmal für mich als Angestellte bei mir selbst. Wer denkt sich so etwas aus?

Nach meiner erfolgreichen Anerkennung als Freiberufler mit meiner International & Foreign Rights Agency, wollte ich ein Geschäftskonto eröffnen. Gründer? Selbstständig? Freiberufler? Keine Chance, nirgendwo. Zu guter Letzt bekam ich ein zweites, separates Konto bei meiner Hausbank, bei der ich zu diesem Zeitpunkt bereits 20+ Jahre Kundin war.

Sich selbstständig zu machen in der Kultur-und Kreativwirtschaft heißt: kein festes Einkommen, kein hippes Büro, dafür Abgaben und Investitionen in satter Höhe. In den ersten acht Jahren hatte ich noch nicht einmal einen anständigen Bürostuhl. (Mein Rücken und meine Bandscheiben sind der Meinung, diese Anschaffung hätte ich wesentlich früher machen sollen!)

Reduziere deine Ausgaben auf das Notwendige und tätige Investitionen erst, wenn Aufträge und Einnahmen hereinkommen. Alle reden über Geld, keiner empfiehlt Rücklagen.

#2 Embrace the hustle and don’t be so hard on yourself. | Genieße den Ritt auf der Rasierklinge – und sei nicht so hart zu dir selbst.

Die ersten Jahre waren alles andere als leicht – zahlreiche Nachtschichten, Wochenendarbeit bis zum Abwinken, keinerlei Auszeit. Es war definitiv mehr als die in Tim Ferriss’ internationalem Bestseller beschriebene „4-Stunden-Woche“.

Es braucht Zeit, Geduld, einen langen Atem und oftmals Nerven aus Stahl, um ein eigenes internationales Geschäft aus dem Nichts und gegen alle Widerstände nachhaltig aufzubauen. Lass dich nicht verunsichern und entmutigen, es dauert einige Runden auf der Achterbahn, bis du für dich ganz persönlich „Erfolg“ definiert hast.

#3 Listen to your intuition and trust your instinct. The gut knows. | Höre auf dein Bauchgefühl, vertraue deiner Intuition.

Wenn sich etwas zu gut anhört, um wahr zu sein, oder du das unangenehme Gefühl hast, dass da etwas faul sein könnte, dann ist mit Sicherheit etwas dran.

Klingt komisch, ist aber so!“, heißt es schon in der Sendung mit der Maus.

Projekte aus (Ehr)Furcht oder nur des Geldes wegen anzunehmen geht fast NIE gut aus.

Wenn du bei irgendetwas ein ungutes Bauchgefühl hast – sei es bei einem Projekt, einer Partnerschaft oder einem potenziellen Kunden – gehe in dich und überlege, was und warum es sich komisch anfühlt, und entscheide dementsprechend. Handle dabei nicht gegen deine Überzeugung oder aus Angst und niemals entgegen deiner Werte.

#4 Not everyone is going to like you and that’s okay. | Nicht jeder wird dich mögen und das ist auch gut so.

Durch meinen Lebens- und Berufsweg war mir bewusst, dass sich nicht alle mit dir freuen, wenn du ehrgeizig, zielstrebig und erfolgreich deine überlebensgroßen Visionen Schritt für Schritt in die Tat umsetzt.
Die Umstellung auf: „Ich bin mein eigener Chef.“, fiel mir dann aber doch schwerer als gedacht.
Wie jeder andere Mensch, wollte auch ich akzeptiert, respektiert und gemocht werden und habe mich anfangs, gedanklich noch im Angestelltenmodus, zu Einheitsbrei verformen lassen, um in die verkramten Gedankenschubladen von vorgestern zu passen.
Dann kam der große Knall, der mir fast den Boden unter den Füßen weggerissen hätte und der alles veränderte.
Learning from success and failure = reality check for your business.

Was andere über dich sagen und denken, kannst du nicht ändern. Also, muss es dir egal sein. Traue dich, du selbst zu sein – und du wirst damit genau die richtigen Menschen in dein Leben bringen. Alle anderen werden von sich aus einen Bogen um dich machen.

#5 The best clients are the ones that trust you to do your thing. | Die besten Kunden sind die, die dir vertrauen und dich dein Ding machen lassen.

Diese Erkenntnis war ein echt harter Brocken.


Viel zu oft habe ich vollkommen unrealistischen Erwartungshaltungen von Kunden entsprochen, von denen ich im Vorfeld schon ziemlich sicher wusste, dass sie nur am Baum enden könnten.

Oder habe mir erläutern lassen, was die entfernte Bekannte, die kein Englisch spricht, aber mal in England zu Besuch war, von der englischen Übersetzung meiner britischen Profi-Dolmetscherin hält.


Oder mir wurde ein Internetfoto von einem Muffin zugeschickt, um mir das weltweite Marktpotenzial im Buchmarkt zu beweisen.

Wenn meine Wände sprechen könnten – meine stillen Schreie haben sie absorbiert …


Projekte, die alle Beteiligten lieben und die überdurchschnittlich erfolgreich laufen, sind die, bei denen der Kunde mir und meiner Expertise vertraut, kooperiert und gemeinsam mit mir wunderbare Ideen entwickelt und umsetzt.

Wertschöpfung beginnt mit Wertschätzung.

Foto: Sabine Muench, 2011

#6 Integrity is everything. You have the right to say NO. | Integrität ist alles. Du darfst NEIN sagen.

Wir werden uns drei Monate Ihre Arbeit ansehen und es dann nachmachen.

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft versucht wurde, mich und meine Arbeit zu kopieren oder mir zu erklären, wie ich meine Arbeit zu machen habe.

Nein, danke!

Wer einen wertebefreiten, moralisch-flexiblen Tastenaffen sucht, sollte woanders im Internet-Dschungel suchen.

Sei dir deines eigenen Wertes und deiner Werte bewusst und agiere im Einklang damit. Sei authentisch, sei ehrlich, sei menschlich (nicht perfekt!)  –  das schafft Vertrauen, die Basis für alles im Leben.

#7 Everything is possible and everyone has the potential to be a client – or to be an amazing referral. | Sieh alles und jeden als Chance.

Du weißt nie, wann und wo eine neue, aufregende Gelegenheit auf dich wartet. (Danke, Beate Mader!) , dir ein spannendes Projekt angeboten wird und du einem wunderbaren Kunde empfohlen wirst.

Woher kommen meine besten und treuesten Geschäftskunden? Neben einer Fülle von eigenen Kontakten (Studium der Verlagswirtschaft, Berufslaufbahn im Verlagswesen, Veranstaltungsbesuche, mein Newsletter LOVE LETTER TO BOOKWORMS, mein Foreign Rights Catalogue, meine eBooks, mein Online-Kurs) kommen sie vorwiegend über Empfehlungen – von Geschäftspartnern, von zufriedenen Kunden, von Freunden und von beruflichen Weggefährten wie ehemaligen Kollegen, Mitarbeitern und selbst von früheren Vorgesetzen.

Unterschätze nie, wen du alles kennst und wer dich alles mit potenziellen Kunden in Kontakt bringen kann.

„Never burn bridges.“, denn man begegnet sich immer zweimal im Leben – eventuell unter umgekehrten Vorzeichen.

#8 You’re allowed to pivot. | Du darfst dich verändern.

Bekannt wurde ich als internationale Lizenzexpertin für Ratgeber im deutschen und internationalen Buchmarkt. Das allein ist es nicht mehr, was ich mache.


Auch bezeichne ich mich nicht mehr als Agentin. Ich habe mich weiterentwickelt und mein Serviceangebot strategisch angepasst und erweitert – es geht weit über Rechte, Lizenzen, Verträge, Copyright und Foreign Rights Licensing hinaus.

Ich helfe unabhängigen Verlagen und Autoren, ihre buchnahen Nebenrechte und Übersetzungsrechte weltweit erfolgreich zu vermarkten, und unterstütze kreative Entrepreneure und Solopreneure dabei, sich international unverwechselbar zu positionieren (Branding), gezielt global und digital zu promoten (Modern Marketing) und den Umsatz erfolgreich zu steigern (Sales).


Eine neue Positionierung und Preisgestaltung kann bedeuten, dass einige, mit denen du anfangs gearbeitet hast, nicht zu langfristigen Kunden werden. Doch du wirst erstaunt sein, wie viele bereit sind, bei dir zu bleiben, um den neuen Weg mit dir zu gehen. Besonders überraschen wird dich, dass nicht wenige von denen, die annehmen, das Gras sei woanders grüner, zu dir zurückkehren.

Es ist erlaubt zu ändern, was man macht. Es ist sogar notwendig, weil sich auch die Welt um uns herum weiterdreht und sich verändert.

Denke langfristig, entscheide schnell und handle flexibel.

#9 Surround yourself with people who get you. | Umgib dich mit Menschen, die dich inspirieren.

Leichter gesagt als getan. Richtig gemacht, verändert es ALLES.


Ein internationales und überwiegend digitales Geschäft jenseits der großen Metropolen zu führen bedeutet viel Zeit allein hinter einem hell erleuchteten Bildschirm zu sitzen.


Deshalb ist es unglaublich wichtig, Menschen zu finden, die dich verstehen, inspirieren, begeistern, motivieren – und die WIRKLICH wollen, dass du Erfolg hast.

Das sind die, die sich deine nicht enden wollenden, sprudelnden Geschäftsideen anhören (und deinem Partnerin/ deinem Haustier eine wohlverdiente Pause gönnen).


Es kann einige Zeit dauern, die richtige Gruppe von Menschen zu finden, die deine Motivation verstehen und dich vorbehaltlos unterstützen, damit du mit dem, was du machst, erfolgreich bist.

Erweitere deinen Radius, schau weit über den Tellerrand hinaus und suche dir Leute, die möglichst nicht dasselbe machen wie du. Am besten siehst du dich nach Leuten aus verwandten Bereichen um, die ideal ergänzen, was du zu bieten hast.

#10 Invest in your business education. | Höre nie auf, Neues zu lernen.

Im Laufe der Jahre habe ich einiges für Messen, Events, Programme und Kurse ausgegeben.

Mein bisher (auch finanziell) größter Aha-Moment war ein mehrmonatiges, weltweit führendes internationales Business-Programm für Entrepreneure. Die Beziehungen, die ich dabei sowohl zu den Mentoren als auch zu den Teilnehmern aus über 190 Ländern geknüpft habe, haben zu einem unvergleichlichen, unschätzbaren und unterstützenden globalen Netzwerk, zu erfüllenderen Projekten und Aufträgen geführt – auch während der weltweiten COVID-19 Pandemie.

Die beste Investition, ist die in dich selbst! Bleibe neugierig, lernfreudig und unvoreingenommen.

Epilog | Nachwort

Ich hoffe, mein Blogbeitrag hat dir gefallen.

Falls du ein moderner Entrepreneur bist und dein Business weltweit, rund um die Uhr und digital erfolgreich vermarkten möchtest, damit du noch mehr Menschen erreichen und von dem, was du liebst, gut leben kannst, ist mein LOVE LETTER TO BOOKWORMS dein Startpunkt … auf die Plätze, fertig, los!

Fragen, Anregungen, Wünsche? Du findest mich online:

https://the-wittmann-agency.com
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With so much love,
xoxo Claudia Wittmann

Weitere Tipps an das gründende Ich

Tipps an mein gründendes Ich ist eine Blog-Reihe nicht nur für Gründende. Wer auch daran teilnehmen möchte, der schreibt bitte eine E-Mail.

Gestartet habe ich mit den Tipps an mein gründendes Ich im Dezember 2020 mit meinen eigenen Tipps.

Lust, selber zu gründen? Ich unterstütze gerne.
Anschubserin & Gründungscoach

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